Amnesty International TheKo Menschenrechtsverletzungen an Frauen

Impressum | Login

TheKo Menschenrechtsverletzungen an Frauen

StartseiteBriefmarathon 2016

02.-18.12.2016

Beteiligen Sie sich am Briefmarathon 2016!

Beim Amnesty-Briefmarathon schreiben Hunderttausende Menschen in allen Teilen der Welt innerhalb weniger Tage Millionen Briefe. Sie drücken darin ihre Solidarität mit Menschen aus, deren Rechte verletzt werden, und sie appellieren an Regierungen, die Menschenrechte zu achten. Jeder Brief zählt - denn jeder Brief kann dabei helfen, Folter zu verhindern, Menschen vor unfairen Prozessen zu schützen und Leben zu retten. Hier stellen wir Ihnen die Frauenfälle vor, für die Sie sich dieses Jahr vom 02. bis 18. Dezember einsetzen können.

Eren Keskin aus der Türkei

Eren Keskin ist in der Türkei berühmt: Seit vielen Jahren setzt sich die Menschenrechtsverteidigerin für Frauen und die kurdische Minderheit ein. Nun droht ihr deshalb eine Gefängnisstrafe.

Roger Willemsen nannte sie eine „Frau von außergewöhnlichem Mut, unerschütterlicher Energie und selbstloser Verpflichtung für die Sache der Humanität“. Er hielt 2001 die Laudatio, als Eren Keskin den Menschenrechtspreis von Amnesty International in Deutschland bekam. Seit Mitte der achtziger Jahre wurde die Menschenrechtsverteidigerin zahllose Male bedroht, eingeschüchtert und verhört. 1995 musste sie allein wegen des Gebrauchs des Wortes „Kurdistan“ in einem ihrer Artikel sechs Monate im Gefängnis verbringen. Die türkische Justiz strengte im Laufe der Jahrzehnte unzählige Prozesse gegen sie an – ohne dass es ihr gelang, Eren Keskin zum Schweigen zu bringen. 2014 wurde sie wegen „Herabwürdigung der türkischen Nation“ verurteilt, weil sie 2005 in einer öffentlichen Rede den türkischen Staat für die Tötung eines 12-jährigen Jungen durch Sicherheitskräfte verantwortlich gemacht hatte. Seitdem wurden gegen Eren Keskin Dutzende weitere Verfahren eingeleitet, alle wegen Artikeln in der kurdischen Zeitung „Özgür Gündem“, deren Chefredakteurin sie zeitweise war. Die Zeitung wurde im August 2016 auf Anordnung der türkischen Behörden geschlossen. Eren Keskin drohen erneut lange Haftstrafen.

Amnesty International fordert:

  • Gesetze, die das Recht auf freie Meinungsäußerung in unzulässiger Weise beschneiden, abzuschaffen;
  • dafür zu sorgen, dass Menschen wie Eren Keskin nicht wegen der friedlichen Ausübung dieses Rechts verfolgt und inhaftiert werden;
  • sicherzustellen, dass Eren Keskin sowohl ihr Recht auf freie Meinungsäußerung als auch ihre Arbeit als Rechtsanwältin frei ausüben kann, ohne durch juristische Verfahren und andere Schikanen daran gehindert zu werden.

Zeynab Jalalian aus dem Iran

Zeynab Jalalian sitzt im Gefängnis und läuft Gefahr, ihr Augenlicht zu verlieren. Die Behörden verweigern ihr die dringend notwendige medizinische Behandlung.

Zeynab Jalalian setzte sich für die Rechte der kurdischen Minderheit im Iran ein, insbesondere für Frauen. 2008 wurde sie festgenommen und später von einem Gericht wegen „Feindschaft zu Gott“ zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Man warf ihr vor, der oppositionellen kurdischen Gruppierung PJAK anzugehören, die auch einen bewaffneten Flügel hat. Sie läuft Gefahr, ihr Augenlicht zu verlieren, und muss dringend fachärztlich behandelt werden. Ihre Familie geht davon aus, dass die Augenprobleme von Folter und Misshandlungen herrühren, die Zeynab Jalalian während der Haft erlitt. Im iranischen Fernsehen wurde ein erzwungenes „Geständnis“ von Zeynab Jalalian gesendet und ihre gesundheitlichen Probleme geleugnet. Die Behörden verweigern ihr weiterhin den Zugang zu einem Augenarzt. Ihr Prozess war grob unfair: Er dauerte nur wenige Minuten, ein Rechtsanwalt wurde ihr verwehrt und es wurden keine Beweise über die ihr vorgeworfenen Aktivitäten vorgelegt.

Amnesty International fordert:

  • die Entscheidung der UN-Arbeitsgruppe für willkürliche Inhaftierungen umzusetzen, Zeynab Jalalian sofort freizulassen und ihr ein einklagbares Recht auf Entschädigung zu gewähren;
  • dafür zu sorgen, dass Zeynab Jalalian umgehend die notwendige fachärztliche Behandlung erhält, falls erforderlich auch in einem Krankenhaus außerhalb des Gefängnisses;
  • die Foltervorwürfe zu untersuchen und sicherzustellen, dass Zeynab Jalalian vor Folter und anderen Misshandlungen – was auch die Vorenthaltung medizinischer Versorgung umfasst – geschützt wird.

Máxima Acuña aus Mexiko

Die Kleinbäuerin Máxima Acuña wird seit Jahren von der Polizei und privaten Sicherheitskräften drangsaliert und bedroht. Grund dafür sind Landkonflikte mit einem Bergbauunternehmen.

Máxima Acuña lebt mit ihrer Familie seit mehr als 20 Jahren auf einem Stück Land im Norden Perus. Seit Jahren führt sie einen Rechtsstreit mit dem Bergbauunternehmen Yanacocha, das ihr Grundstück beansprucht. Die Kleinbäuerin und ihre Familie wurden von Sicherheitskräften immer wieder schikaniert und eingeschüchtert. 2011 schlugen Polizisten Máxima Acuña und ihre Tochter bewusstlos. Später versuchte die Polizei mehrfach, die Familie gewaltsam zur Räumung des Geländes zu zwingen, und zerstörte Teile ihres Hauses. Anfang 2016 vernichteten private Sicherheitskräfte die Kartoffelernte der Bäuerin. Máxima Acuña setzt sich für die Rechte auf Nahrung, Gesundheit und eine saubere Umwelt angesichts des zunehmenden Bergbaus in ihrer Region ein und erhielt 2016 für ihr Engagement den renommierten Goldman-Preis, der als „Umwelt-Nobelpreis“ gilt. Die gerichtliche Auseinandersetzung mit dem Bergbauunternehmen ist noch nicht abgeschlossen und die Familie wird weiterhin massiv bedroht. Die Interamerikanische Menschenrechtskommission hat Peru bereits 2014 aufgefordert, für den Schutz von Máxima Acuña zu sorgen.

Amnesty International fordert:

  • den umfassenden Schutz von Máxima Acuña und ihrer Familie gemäß ihren Wünschen zu gewährleisten, ihren Zugang zu ihrem Grundstück sicherzustellen und sie vor einer rechtswidrigen Zwangsräumung zu schützen;
  • jedes gewaltsame Vorgehen sowie Einschüchterungen und Schikanen der Polizei gegen Máxima Acuña und ihre Familie zu unterbinden;
  • alle gegen Máxima Acuña und ihre Familie gerichteten Schikanen und Angriffe umgehend, gründlich und unparteiisch zu untersuchen, die Ergebnisse zu veröffentlichen und die Täter_innen zur Rechenschaft zu ziehen.

Weitere Hintergrundinformationen rund um den Briefmarathon 2016 sowie alle 11 Fälle finden Sie hier.

Vielen Dank für Ihren Einsatz und Ihre Unterstützung!