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23.01.2017

Türkei: Dringende Operation wird verweigert!

Sibel Çapraz befindet sich im Gefängnis und die Behörden verweigern ihr eine lebenswichtige Operation und angemessene medizinische Betreuung. Sie wurde im November 2015 in Yüksekova im Südosten der Türkei während der Zusammenstöße zwischen türkischen Sicherheitskräften und der PKK angeschossen. Im März 2016 nahmen die Behörden sie in Untersuchungshaft, während sie sich im Krankenhaus befand. Unterstützen Sie Sibel bis zum 06. März 2017 hier.

Hintergrundinformationen

Sibel Çapraz wird im Bakırköy-Frauengefängnis in Istanbul festgehalten und muss sich zurzeit wegen der Anklagen "Schüren von öffentlichem Hass oder Feindschaft" und "Mitgliedschaft in einer bewaffneten terroristischen Vereinigung" (der Kurdischen Arbeiterpartei/Union der Kurdischen Gemeinschaften - PKK/KCK) vor Gericht verantworten. Ihr wird eine dringende Operation verweigert, um einen künstlichen Darmausgang rückgängig zu machen, die im Februar 2016 hätte durchgeführt werden sollen. Die Verzögerung birgt laut einer von Amnesty International eingesehenen medizinischen Einschätzung das Risiko von Komplikationen und bringt Sibel Çapraz in Lebensgefahr.

Sibel Çapraz ist Mitglied des Gemeinderats von Hakkari. Ihr wurde in der Nacht des 27 November 2015 in Yüksekova einer Stadt in der Provinz Hakkari im Südosten der Türkei während der Zusammenstöße zwischen türkischen Sicherheitskräften und bewaffneten Einzelpersonen mit Verbindungen zur PKK in den rechten Arm und in den Bauch geschossen. Am Tag nach den Schüssen wurde Sibel Çapraz am Arm operiert und bekam als Notfallmaßnahme einen künstlichen Darmausgang wegen der Verletzung ihrer inneren Organe. Am 23. Dezember 2015 wurde sie in das Baltalımanı-Krankenhaus für Knochenerkrankungen in Istanbul einer weiteren Armoperation unterzogen. Im Februar 2016 sollte der künstliche Darmausgang entfernt werden, dies konnte jedoch nicht durchgeführt werden, da sie noch am Arm behandelt wurde.

Der Bruder von Sibel Çapraz gab an, dass sie am 4. März 2016 von der Polizei vom Krankenhaus zum Çağlayan-Gericht gebracht wurde. Das Gericht ordnete an, sie in Untersuchungshaft zu nehmen.

Fast ein Jahr später hat Sibel Çapraz immer noch nicht die Operation zur Entfernung des künstlichen Darmausgangs erhalten, die bereits im Februar 2016 durchgeführt werden sollte. Sie berichtet über Schmerzen und dass sie wegen ihrer Armverletzung die Hilfe von Mitinsassinnen beim häufigen Wechseln der Kolostomiebeutel benötigt. Sibel Çapraz' Rechtsbeistände haben das Gericht auf diese medizinischen Probleme aufmerksam gemacht und ohne Erfolg beantragt, dass sie eine Behandlung erhält und aus der Untersuchungshaft entlassen wird. Die Türkische Menschenrechtsstiftung schrieb ebenfalls eine Eingabe an die Gefängnisgeneralverwaltung, damit Sibel Çapraz die dringende Operation erhält und ihr Arm weiter behandelt wird. Die Behörden haben geantwortet, dass sie jede Behandlung erhalte, die sie benötigt, und sind nicht auf das konkrete Problem eingegangen. Der Rechtsbeistand von Sibel Çapraz teilte Amnesty International mit, dass die derzeitige Behandlung aus Reha-Behandlungen bestünde, welche aber nicht die notwendige Operation ersetzen können.

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