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08.03.2017

Weltfrauentag: Sie wartet nicht ... auf ihre Rechte. Wirst Du warten?

Am 8. März wird weltweit der Internationale Frauentag begangen. Angesichts diverser Rückschritte bei den Frauenrechten in den letzten Jahren, ist es an der Zeit, sich wieder vermehrt für Gleichberechtigung einzusetzen und jenen zu folgen, die nicht länger warten wollen! Sie wartet nicht mehr, und Sie?

Wenn wir eine Sache vom historischen Women’s March lernen konnten, dann die, dass Frauen genug haben, auf ihre Rechte zu warten. Heute, am 8. März, wird diese Leidenschaft mit dem geplanten Frauenstreik die Straßen erneut beleben.

Anfang des Jahres 2017 marschierten weltweit mehr als 3 Millionen Menschen aller Geschlechter für Frauenrechte und die Rechte anderer unterdrückter Bevölkerungsgruppen. Diesen Beweggründen bleiben die Menschen weiterhin treu - angespornt durch die frauenfeindlichen Ausführungen des US-Präsidenten Donald Trump sowie seinem diskriminierenden Einreisestopp und Dikreten, die weitreichende und tiefgreifende Folgen für Migranten und andere Minderheiten bedeuten. Seine bisherigen politischen Umsetzungen gefährden insbesondere die Gesundheit und das Leben von Frauen. - Damit steht die USA jedoch momentan nicht allein da.

Dem wollen sich heute tausende Frauen weltweit, die heute streiken, entgegenstellen. Sie wissen, dass die Statistiken, welche die Ungleichheiten aufzeigen, mit denen so viele Frauen weltweit tagtäglich konfrontiert sind, nicht zu verleugnen sind.

Das World Economic Forum sagt voraus, dass es noch 169 Jahre dauern wird, bis sich das Lohnniveau von Frauen dem der Männer annähern wird. Dies ist nur einer von vielen schockierenden Befunden, die aufzeigen, wie lange wir noch warten müssen, bis die Gleichstellung von Frauen und Männern in etwa erreicht sein könnte. Bei einem derart großen Rückstand, den es aufzuholen gilt, sagen Frauen und Mädchen weltweit: „Genug ist genug“!

Weltweit können rund 225 Millionen Frauen nicht entscheiden, ob und wann sie Kinder bekommen möchten. Jährlich sterben 47.000 Frauen als Folge unsicher durchgeführter Schwangerschaftsabbrüche, weitere 5 Millionen erleiden dadurch irreversible Schäden. Geschätzte 35 % aller Frauen erleiden mindestens einmal in ihrem Leben sexuelle oder andere körperliche Gewalt. 32 Millionen Mädchen - und 29 Millionen Jungen - besuchen keine Elementarschule. Und rund 700 Milllionen der heute lebenden Frauen werden noch vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet.

Amnesty International zeigt hier stellvertretend vier Frauen, die an vorderster Front kämpfen, um Rechte für alle Frauen einzufordern - Frauen, die sich angesichts großer Ungerechtigkeit weigern, noch länger zu warten!

Denn sie wollen nicht warten - und wir auch nicht.

Was ist mit Ihnen?

Dr Tlaleng Mofokeng – Sie wartet nicht ... solange Frauen noch immer Abtreibungen verweigert werden

Die Ärztin aus Südafrika ist eine Kraft, mit der man rechnen muss! Sie ist nicht nur eine engagierte Ärztin, sie setzt sich auch als Radiomoderatorin furchtlos für die sexuelle Gesundheit ein und verbreitet ihre Botschaft weit und breit. "Ich werde nicht aufhören, solange das Recht einer Frau auf Abtreibung nicht respektiert und gewährleistet ist", sagt sie. "In Südafrika sterben jedes Jahr viele Frauen an unsicheren Abtreibungen, doch die Politiker glauben weiterhin, sie könnten die reproduktiven Rechte der Frauen als politischen Spielball verwenden." Tlaleng möchte auch der Vergewaltigungskultur begegnen und tritt dafür ein, dass medizinisches Personale dazu verpflichtet ist, alle Patienten mit Respekt und frei von jeglicher Diskriminierung zu behandeln.

“The whole world thinks they have a right to tell women what to do with our vaginas and our uteruses. Women’s health seems to be a free for all for everyone to have an opinion on”.

Su Changlan – Sie wartet nicht ... um Kinderbräute wieder mit ihren Eltern zu vereinen

Die Geschichte der ehemaligen Lehrerin Su Changlan ist wirklich einzigartig. Einer ihrer engsten Freunde sagt, dass ihre Geschichte die vieler Frauen in China ist. Su Changlan konnte es nicht länger ertragen von Mädchen zu hören, die als Bräute verschleppt worden waren oder von Eltern, deren Kinder plötzlich verschwanden. Sie tat ihr Bestes, um diesen Menschen zu helfen und weitete ihren Aktivismus auch auf Landrechte und die Unterstützung der pro-demokratischen Bewegung in Hongkong aus. Sie tat dies alles mit dem Wissen, eines Tages vielleicht mit ihrer Freiheit für diesen Einsatz bezahlen zu müssen. Bedauerlicherweise ist genau das auch passiert. 2015 wurde sie von staatlichen Behörden festgenommen.

“I hope that parents do not despair about searching for their missing children. We, civil society, should work together to help them reunite with their children. The government should also invest more in these efforts instead of hindering our work!”

Jeanette John Solstad Remø – Sie wartet nicht ... auf das Recht, als Frau anerkannt zu werden

Bis vor kurzem war sie John Jeanette. Ein Name, der die doppelte Identität ausdrückt, die sie jeden Tag gezwungener Maßen in Norwegen leben musste. Obwohl die ehemalige Soldatin spürte, dass ihre Zukunft nur weiblich sein konnte, gestatte ihr das norwegische Recht nicht, ihr offizielles Geschlecht ändern zu lassen ohne dafür eine geschlechtsangleichende Operation vorgenommen zu haben. Das hätte jedoch zum einen bedeutet, dass all ihre Fortpflanzungsorgane hätten entfernt werden müssen, und zum anderen hätte sie eine psychiatrische Diagnose gebraucht. All das lehnte sie für sich jedoch ab. Die Folge dessen war, dass sämtliche Papiere, ihr Führerschein, ihr Ausweis, ihre Krankenkarte, ja sogar ihr Bibliotheksausweis, sie als Mann titulierten. Sie setzte sich daraufhin vehement gegen das diskriminierende Gesetz Norwegens ein und ihre Aktionen, die sie zusammen mit anderen UnterstützerInnen durchführte - darunter Amnesty International - führten sie schließlich zu einem großen Erfolg. 2016 verabschiedete Norwegen endlich ein neues Gesetz zur Geschlechteranerkennung, das Transgender gestattet, ihr Geschlecht frei zu wählen. Heute, als Anerkennung für diesen Meilenstein, hat sie ihren Namen in Jeanette John umändern lassen.

“Everyone deserves the right to express their gender.”

Loujain al-Hathloul – Sie wartet nicht ... auf das Recht, Auto zu fahren

Furchtlos und eindrucksvoll trotzt Loujain dem Fahrverbot für Frauen in Saudi-Arabien - ebenso wie allen Konsequenzen. Im November 2014 wurde sie für ihren Einsatz 73 Tage inhaftiert, nachdem sie sich selbst von den Vereinigten Arabischen Emiraten zurück nach Saudi-Arabien gefahren hatte. Freigelassen im Februar 2015, ließ sie sich sofort für die Wahlen im November des gleichen Jahres aufstellen. Damit war sie zugleich die erste Frau, der sowohl das aktive als auch passive Wahlrecht in dem arabischen Staat zugestanden wurde. Doch obwohl die eigentlich als Kandidatin für die Wahlen anerkannt worden war, tauchte ihr Name nie auf den Wahlzetteln auf. Doch sie gibt nicht auf! Sie kämpft weiterhin für eine bessere Zukunft aller Saudis, insbesondere für eine Zukunft, in der alle Frauen die gleichen Bürgerrechte wahrnehmen können wie die Männer des Landes.

“I will win. Not immediately, but definitely.”