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StartseiteIran: Drohende Folter

23.02.2018

Iran: Aktivistin drohender Folter ausgesetzt - Mit Aktionsmaterialien

Der jungen Menschenrechtsverteidigerin Shima Babaee, die sich gegen Kopftuchzwang wehrt, und ihrem Mann Dariush Zand drohen Folter und andere Misshandlungen. Beide sind nach der Festnahme durch das Geheimdienstministerium am 1. Februar aufgrund ihrer friedlichen Menschenrechtsarbeit im Teheraner Evin-Gefängnis inhaftiert. Sie haben weder Zugang zu Familienangehörigen noch zu Rechtsbeiständen. Sie sind gewaltlose politische Gefangene.

Zur Sachlage

Am 1. Februar nahmen Angehörige des Geheimdienstministeriums in der Stadt Behbahan in der südlichen Provinz Khuzestan die Frauenrechtlerin Shima Babaee und ihren Ehemann Dariush Zand, ebenfalls ein Menschenrechtsverteidiger, fest. Sie wurden 48 Stunden in Hafteinrichtungen des Geheimdienstministeriums in Behbahan und Ahvaz, beide in der Provinz Khuzestan, festgehalten und dann in die Abteilung 209 des Evin-Gefängnisses gebracht. Dort werden sie ohne Zugang zu ihren Familien und Rechtsbeiständen festgehalten. Ihre Familie hörte zuletzt am 6. Februar von ihnen. An diesem Tag durfte Shima Babaee eine Minute mit ihnen telefonieren. Laut Angaben der Familie und des Rechtsbeistands, die wiederholt im Büro der Staatsanwaltschaft im Evin-Gefängnis vorstellig wurden, um Informationen zu den beiden Menschenrechtler_innen zu erhalten, sagten ihnen dortige Beamt_innen, dass die beiden keinen Zugang zu einem Rechtsbeistand erhalten und auch keine Informationen über sie weitergeben, bis ihre Verhöre beendet sind.

Shima Babaees Festnahme und Inhaftierung scheint Teil eines größeren gewaltsamen Vorgehens gegen Frauen im Iran zu sein, die friedlich gegen den missbräuchlichen und diskriminierenden Kopftuchzwang im Land protestieren. Auf den Webseiten der Weißer-Mittwoch-Kampagne – die Frauen aufruft Fotos zu teilen, auf denen sie weiße Kopftücher oder Kleidungsstücke tragen – sind mehrere Videos aufrufbar, in denen Shima Babaee ihre Unterstützung für die Kampagne zum Ausdruck bringt, darunter ist auch ein kurzer Dokumentarfilm, in dem sie Bürger_innen zu ihrer Meinung über Kopftuchzwang befragt. Aufgrund dieses Aktivismus wurde die Frauenrechtlerin schon vor der jetzigen Inhaftierung mehrere Male zum Verhör vorgeladen und mit Gefängnis bedroht.

Dies ist die zweite Festnahme von Dariush Zand innerhalb von zwei Monaten. Er wurde am 25. Dezember 2017 festgenommen und im Evin-Gefängnis inhaftiert, weil er im selben Monat an Protesten gegen Armut und politische Unterdrückung teilgenommen hatte. Am 6. Januar 2018 wurde er freigelassen. In dieser Zeit folterten die Revolutionsgarden Dariush Zand eigenen Angaben zufolge mehrere Male mit Tritten, Faustschlägen und Schlägen mit Kabeln und Schläuchen. Laut Angaben seiner Familie wies sein Körper Hämatome auf und er hatte eingeschlagene Zähne. Er leidet zudem an ständigen Kopfschmerzen und Schwindel und musste ärztlich behandelt werden. Vermutlich ist seine Gesundheit durch die ihm zugefügten Verletzungen angegriffen.

Forderungen von Amnesty International zu diesem Fall:

  • Umgehende und bedingungslose Freilassung von Shima Babaee und Dariush Zand
  • Bis zur Freilassung, Sicherstellung des Schutzes vor Folter und anderer Misshandlung
  • Zugang der beiden Aktivist/innen zu Familie, Rechtsbeistand und medizinischer Versorgung
  • Beendigung der Strafverfolgung von Frauen, die sich mit friedlichen Mitteln gegen den Kopftuchzwang einsetzen
  • Abschaffung des Kopftuchzwangs

Aktionsmaterialien

Die Koordinationsgruppe Iran von Amnesty International hat sowohl einen Appellbrief als auch das dazugehörige Informationsblatt zum Fall von Shima Babaee und ihrem Ehemann Dariush Zand erstellt. Beides findet ihr unten zum Herunterladen, damit ihr es für eure Aktionen nutzen könnt.

Weitere Hintergrundinformationen zu diesem Fall der beiden Aktivist/innen finden Sie hier.

Und weitere Eilaktionen finden Sie wie immer hier.