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TheKo Menschenrechtsverletzungen an Frauen

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Internationaler Weltfrauentag 2018

WE RUN THE WORLD: Diese Frauen stehen für unser aller Rechte ein

Überall auf der Welt begehren Frauen und Mädchen auf, um sich für ihre Rechte und die Rechte anderer einzusetzen. Dabei nehmen sie auch in Kauf, angefeindet und verfolgt zu werden. Einige besonders inspirierende Frauen wollen wir Euch anlässlich des Weltfrauentages vorstellen.


Wu Rongrong, China - Aktivistin gegen sexuelle Gewalt

Wu Rongrong ist insbesondere durch ihre Mitgliedschaft der "Feminist Five" von China bekannt - eine Gruppe von Frauen, die 2015 inhaftiert wurde, weil sie eine Kampagne gegen sexuelle Gewalt initiiert hatte. Die Inhaftierungen, die um den Weltfrauentag 2015 herum vorgenommen wurden, führten zu einem internationalen Aufschrei. Obwohl die Frauen später freigelassen wurden, befinden sich die "Feminist Five" nach wie vor unter Überwachung.

Vor ihrer Inhaftierung führte Wu Rongrong eine Frauenrechtsgruppe an, deren mutige und creative Aktionen zu Geschlechterungleichheit und Sexismus große Aufmerksamkeit auf sich zog. So rasierten sich die Mitglieder der Gruppe beispielsweise die Köpfe, um gegen diskriminierende, höhere Voraussetzungen für Frauen für Universitätszulassungen zu protestieren. Bei einer anderen Aktion trugen sie Brautkleider, die mit pinker Farbe bespritzt waren als Protest gegen häusliche Gewalt.

"Frauen begegnen viele Herausforderungen im Laufe ihres Lebens, aber viele dieser Dinge bleiben unsichtbar", meint Wu Rongrong. "Zu Beispiel erfahren Opfer sexuellen Missbrauchs nicht nur unsägliches Leid, sondern erfahren auch keinen angemessenen rechtlichen Schutz. Würden Opfer nicht verantwortlich gemacht, sondern dazu ermutigt werden, Anzeige zu erstatten, würde das sexuelle Gewalt reduzieren."

Wu Rongrong ist außerdem Sozialarbeiterin, Rechtsanwältin und arbeitet zur Zeit an ihrem Masterabschlus in Human Rights Law.


Noura Ghazi Safadi, Syrien - Menschenrechtsanwältin für politische Gefangene

Für die syrische Menschenrechtsanwältin Noura Ghazi Safadi steht der Einsatz für die Rechte von politischen Gefangenen für Liebe, Hoffnung und Familie. Geboren 1981 in Damaskus, ist Noura bereits seit vielen Jahren als Rechtsanwältin tätig und in ihrer Arbeit auf Menschenrechte, Inhaftierungen und Verschwindenlassen spezialisiert. Sie begann sich stärker für Menschenrechtsverletzungen einzusetzen, als ihr eigener Vater inhaftiert wurde. Ihr Ehemann Bassel Khartabil Safadu, ein Online-Aktivistin, wurde 2012 von der syrischen Regierung gefangen genommen und 2015 hingerichtet.

"Mein Vater war in mehreren Fällen politische Gefangener", erzählt Noura. "Ich besuchte in im Adra-Gefängnis und begleitete seine Anhörungen. [...] Damals schwor ich, dass ich Anwältin werden und politische Gefangene verteidigen würde. Ich war 12 Jahre alt zu dieser Zeit. Und als Bassel [ihr Ehemann] inhaftiert wurde, wurde die Verteidigung "meines" politischen Gefangenen zu meiner Obsession."

"Als mein Ehemann hingerichtet wurde, bekam ich das Gefühl, dass es in meiner Verantwortung stand, für politische Gefangene zu kämpfen und jeden ihrer Fälle zu meinen Fällen zu machen. Ich denke, Frauen sind bestens für diese Aufgabe geeignet, denn sie spielen eine wichige Rolle beim Aufbau von Syriens Zukunft. Sie haben bewiesen, dass sie in der Lage sind, jede Herausforderung zu überwinden - egal, ob es die Sicherheit, die Gemeinschaft oder das Leben im Allgemeinen betrifft."

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Joy Wathagi, Kenia - Aktivistin für Amnesty International

Joy Wathagi ist Sprecherin einer Jugendgruppe von Amnesty International in Nairobi, Kenia, und setzt sich für die Rechte eines Teenagers ein, der tausende Kilometer weit weg ist. Schülerin Taibeh Abbasi ist 18 Jahre alt, lebt in Norwegen und träumt davon, einmal Ärztin zu werden - aber sie ist der Gefahr ausgesetzt, nach Afghanistan abgeschoben zu werden, einem Land, in dem sie noch nie war. Als Joy davon hörte, dass Taibehs Klassenkamerad/innen eine Protestaktion für sie organisieren wollten, um sich solidarisch mit Taibeh zu zeigen, entschied sich auch Joy, an der #TellNorway Kampagne in den Sozialen Medien teilzunehmen.

"Als ich davon hörte, dass Norwegen vorhat, Teenager abzuschieben, wurde ich sehr traurig und entschied mich, etwas dagegen tun zu wollen", erzählt Joy.

"Ich erinnerte mich an all die Geflüchteten, die in mein Land, Kenia, kamen. Ich habe Menschen aus Somalia, Rwanda und den Sudan getroffen und gesehen, dass auch sie verdienen, ich in Kenia leben zu dürfen. Ich bin mit vielen Flüchtlingen zur Schule gegangen, bin mit ihnen aufgewachsen, und einige von ihnen sind enge Freunde von mir geworden. Ich würde es schrecklich finden, sollten sie wieder zurück geschickt werden."

"Afghanische Flüchtlinge kehren in die selbe Situation zurück, aus der die geflohen sind. Das ist grausam und unfair. Sie sind doch ein Teil der norwegischen Gesellschaft geworden und müssen auch so behandelt werden. Meine größte Motivation, an #TellNorway teilzunehmen, war die Entschlossenheit, das Leben dieser Menschen retten und ihnen eine Chance geben zu wollen, mit Würde in Sicherheit zu leben. Der Satz "Geh zurück in dein Land!" ist für mich einer der gedankenlosesten und egoistischsten Sätze, die ich immer wieder höre und die mein Herz brechen. Die Staaten sollten Unterstützung bieten und keine Mauern bauen."


Shackelia Jackson, Jamaika - Kämpferin für Gerechtigkeit

Trauer machte aus Shackelia Jackson eine Aktivistin. Am 20. Januar 2014 bereitete Shackelias Bruder Nakiea Jackson eilig das Frühstück in dem Restaurant vor, in dem er arbeitete und in welchem er von der Polizei erschossen wurde. Sie sagten, Nakiea passte auf die Beschreibung eines Mannes, nach dem aufgrund eines Raubüberfalls gefahndet wurde. Seitdem kämpft Shackelia darum, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, den Einschüchterungsversuchen der Polizei und den Belästigungen die Stirn bietend.

"Das Leid, das meine Familie und ich zu ertragen haben, trieben mich dazu, für die Gerechtigkeit meines Bruders und für alle Opfer von Polizeigewalt kämpfen zu wollen", sagt Shackelia. "Ich bin zu einer gebrochenen Schwester geworden, die ihre Stimme erhebt, damit die anderen nicht vergessen."

Shackelia hat sich vielen anderen Familien in Jamaika angeschlossen, die ähnliche Schicksale erleiden mussten. Viele von ihnen wollen nun zusammenarbeiten, um die unsägliche Polizeigewalt zu beenden.

"Ich habe es mir zur Lebensaufgabe gemacht, Gesetzesänderungen und politische Veränderungen zu bewegen, die die Gerechtigkeit für alle Opfer sicherstellen und staatliche Gewalt in Jamaika beenden, so dass zukünftige Leben gesichert sind. Und auch trotz der unbarmherzigen Versuche der jamaikanischen Behörden, mich zu stoppen, lasse ich mich nicht abschrecken und weigere mich, aufzugeben."

"Ich kann so unerschrocken sein, da ich großartige Unterstützung habe. Amnesty International und seine Unterstützer haben mir eine globale Platform gegeben. Diese Güte erinnert mich daran, dass ich zwar gebrochen, aber nicht zerstört war."


Wanjeri Nderu, Kenia - Vorreiterin für eine neue Generation von Aktivistinnen

2012 machte Wanjeri Nderu einen mutigen Schritt. Sie kündigte ihren Job im Finanzwesen, um Aktivistin für soziale Gerechtigkeit zu werden.

Seitdem Wanjeri ihr Betätigungsfeld gewechselt hat, hat sie bereits gegen außergerichtliche Hinrichtungen durch die kenianischen Polizei gekämpft, erfolgreich an einer Kampagne für vier Kenianer mitgearbeitet, die im Südsudan inhaftiert und schließlich durch den Einsatz der Aktivist_innen wieder freigelassen wurden und setzte sich für freie, friedliche sowie faire Wahlen in Kenia ein.

Doch sie musste einen harten Preis für ihr Engagement zahlen. Wanjeri wurde 2013 inhaftiert, weil sie an friedlichen Protesten teilnahm und erlebt zahlreiche Attacken gegen ihre Personen online und offline. 2015 wurde sie von einem Mann tätlich angegriffen, der sich ihrem Auto näherte und "Wacha kelele, ama tutakumaliza" schrie (Hör auf, dich einzumischen, sonst sorgen wir dafür, dass es aufhört). Dann schlug er sie ins Gesicht und lief davon. Einmal erhielt sie einen ganzen Tag lang unaufhörlich frauenfeindliche Angriffe von einer Gruppe von Männern auf Twitter.

"Der Anführer dieser Gruppe markierte immer mehr Personen unter seinen Beleidigungen, um diese zum Mitmachen zu animieren. Ich zählte insgesamt acht Männer, die sich an den Angriffen beiteiligten", erzählt Wanjeri. "Die Beschimpfungen waren sehr persönlich, sie beleidigten mein Äußeres und meine Familie."

Um sich und ihre Familie ein wenig zu schützen, suchte sich Wanjeri schließlich Zuflucht in einen anderen Teil von Kenia. Allerdings will sie ihre Aktivitäten nicht einstellen, weil ein paar Personen versucht haben, sie ruhig zu stellen. Sie bleibt eine Vorreiterin für eine neue Generation von Aktivist_innen, die für das einstehen, an das sie glauben.


Azza Soliman, Ägypten - Unerschrockene und selbstlose Kämpferin für die Frauenrechte

Azza Soliman spricht sich mutig für Überlebende von Folter, willkürlicher Inhaftierung, häuslicher Gewalt und Vergewaltigung in Ägypten aus. Sie ist Mit-Begründerin der Vereinigung "Lawyers for Justice and Peace" (vormals: "Egyptian Women's Legal Assistance"), die verarmten Frauen und Mädchen mit rechtlicher Unterstützung sowie mit Lese- und Schreibunterricht hilft.

Azza’s couragierte und selbstlose Arbeit führte dazu, dass sie von den ägyptischen Behörden als Spionin und Gefahr für die nationale Sicherheit eingestuft wurde. Nach einer kurzen Inhaftierung wurde sie zwar wieder freigelassen, doch musste sie Bußgelder dafür bezahlen, dass sie ausländische finanzielle Hilfe in Anspruch genommen habe, um das Bild Ägyptens in der Öffentlichkeit zu beschädigen. Seitdem ist es Azza auch nicht mehr erlaubt, zu reisen, ihr Vermögen wurde eingefroren und sie ist in Gefahr, jederzeit wieder inhaftiert zu werden. Doch diese unglaubliche, starke Frau hat den Kampf noch nicht aufgegeben.

"Der Kampf zur Stärkung der Frauen und der Menschenrechte ist ein langer und anstrengender", meint Azza. "Dennoch habe ich immer noch Hoffnung. Die überwältigende Unterstützung und die Liebe, die ich [durch die Kampagne von Amnesty International] erhalten habe, erinnert mich daran, dass ich nicht allein bin und meine Arbeit Wertschätzung erfährt. Ich kann neue Generationen sehen, die die Fackel in die Hand nehmen und den Weg einer besseren Zukunft bestreiten. Eines Tages werden wir all die Schwierigkeiten und Herausforderungen überwunden haben - das lässt mich weitermachen."

Viele dieser Frauen sind Teil der "Brave Kampagne" von Amnesty International, die die Anerkennung und den Schutz von Menschenrechtsverteidiger_innen weltweit fordert. Unter folgendem Link erhaltet ihr mehr Informationen: amnesty.org/brave.