Amnesty International Menschenrechtsverletzungen an Frauen (MaF)

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Weibliche Genitalverstümmelung

- Female Genital Mutilation - FGM

6. Februar -
Internationaler Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung


International Day of Zero Tolerance to Female Genital Mutilation
wurde in 2004 von Stella Obasanjo (Ehefrau des nigerianischen Präsidenten) ausgerufen, dann von der UN-Menschenrechtskommission zum internationalen Gedenktag erklärt.
Null Toleranz für Genitalverstümmelung - Hat die EU Null vor, um weibliche Genitalverstümmelung zu bekämpfen? Amnesty International und die europäische Interessengruppe „European Women’s Lobby“ fordern die Europäische Union in einer gemeinsamen Presseerklärung auf, aktiv zu werden.
Mit einem Video macht Amnesty International auf den Internationalen Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung “Zero Tolerance of female genital mutilation” aufmerksam. Schauen Sie rein!!

Was bedeutet Weibliche Genitalverstümmelung?

Bei dem Begriff weibliche Genitalverstümmelung (im Englischem FGM = Female Genital Mutilation oder FGC = Female Genital Cuttings) gilt es verschiedene Formen dieser traditionellen Praxis zu unterscheiden, die manchmal verharmlosend auch als Beschneidung bezeichnet wird. Bei allen Formen werden irreversibel und partiell oder vollständig die weiblichen Geschlechtsorgane unter meist unhygienischen und damit lebensbedrohlichen Bedingungen entfernt. Dies geschieht meist, wenn die Betroffenen junge Mädchen sind.

Welche Formen gibt es?

Dabei unterscheiden internationale Organisationen wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) oder UNICEF vier Kategorien weiblicher Genitalverstümmelung:

  • Entfernung der Klitoris-Vorhaut, mit partieller bzw. auch vollständiger Entfernung der Klitoris (Klitoridektomie)
  • Entfernung der Klitoris bei gleichzeitiger partieller bzw. auch vollständiger Entfernung der kleinen Schamlippen (Exzision)
  • Bei der Infibulation erfolgt im Anschluss an eine der vorangehenden Praktiken zusätzlich eine Verengung oder sogar Verschließung der vaginalen Öffnung
  • Piercing, Dehnung oder alle anderen Formen der Verletzung der äußeren und/oder inneren weiblichen Geschlechtsorgane.
    Dabei kommen oftmals nicht desinfizierte Schnittgeräte (so auch stumpfe Messer, Rasierklingen, Scheren oder auch Glasscherben) zum Einsatz. Vielfach erhalten die Frauen bzw. Mädchen keine Narkose während des Eingriffs. Neben den physischen Gefahren durch unmittelbare Infektionen (inklusive HIV) und Blutungen nach der Verstümmelung oder später bei der Geburt von Kindern, führen diese Praktiken auch zu schwerwiegenden psychischen Langzeitfolgen bei den Opfern.

6000 Opfer pro Tag!

Weltweit sind nach Schätzungen internationaler Organisationen rund 130 bis 150 Millionen Frauen und Mädchen von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen. Jedes Jahr kommen rund 2 Millionen neue Fälle hinzu, was 6.000 pro Tag (!) entspricht. Dem Grossteil der Betroffenen - meist Mädchen im Alter zwischen vier und vierzehn Jahren - wird die Klitoris-Vorhaut oder die gesamte Klitoris entfernt, bzw. zudem (teilweise) auch die kleinen Schamlippen. Schätzungen gehen davon aus, dass diese Formen weiblicher Genitalverstümmelung bei 80 bis 85% der Betroffenen Anwendung finden. Dabei sind es oft andere Frauen, so genannte Beschneiderinnen, die diese Eingriffe vornehmen und hierfür häufig hohes gesellschaftliches Ansehen genießen.

In welchen Ländern wird weibliche Genitalverstümmelung praktiziert?

Weibliche Genitalverstümmelungen werden nicht nur in vielen Staaten Afrikas, sondern auch in einigen arabischen und auch asiatischen Staaten (z. B. in Teilen Malaysias) praktiziert. Zudem sind durch Migrationsbewegungen nach Europa auch in Deutschland praktizierte weibliche Genitalverstümmelungen belegt (eine Übersicht nach Ländern und Formen der Genitalverstümmelung ist abrufbar).

Was sind die Motive für diese Praktiken?

Häufiges Rechtfertigungsmuster für die Verstümmelung der weiblichen Geschlechtsorgane ist die Vorstellung, dass nur so der weibliche Sexualtrieb gezügelt und damit (für den Mann) kontrollierbar gemacht werden könne. Zudem wird argumentiert, dass die weibliche Genitalverstümmelung eine religiöse (oftmals als Fehlinterpretation des Islams) oder traditionelle Praxis sei, die geachtet werden müsse. Manche Argumentationen heben sogar den medizinischen Nutzen dieser Tortur, an der viele Mädchen sterben bzw. mit deren psychischen und physischen Folgen sie ein Leben lang kämpfen müssen, hervor. Damit wird deutlich, dass die Gründe für die Durchführung weiblicher Genitalverstümmelung je nach religiösen, kulturellen, ethnischen und sozialen Rahmenbedingungen variieren.

Was fordert Amnesty International?

Weibliche Genitalverstümmelung verletzt sowohl zivile und soziale, wie auch politische und kulturelle Menschenrechte von Frauen, wie das Recht auf physische Unversehrtheit, das Recht auf Leben und (reproduktive) Gesundheit, aber auch das Recht auf Selbstbestimmung der Frauen.
In Deutschland wurde - auch mit Unterstützung von ai - bereits ein erster Fortschritt erzielt: Im neuen Zuwanderungsgesetz (in Kraft 1.1.2005) ist nun geschlechtsspezifische und nichtstaatliche Verfolgung als Fluchtgrund anerkannt - dies war eine zentrale Forderung von amnesty. Es bleibt jedoch noch abzuwarten, inwieweit dieses neue Gesetz Mädchen und Frauen systematisch einen besseren Schutz in Deutschland vor Verstümmelung ihrer Genitalien in ihrem Heimatland bietet.

Weiterführende Links & Informationen

  • Amnesty Journal März 2005, Genitalverstümmelung: Narben für's Leben
  • Die Position von Amnesty International (Flyer zum Download)
  • INTACT e. V. (Internationale Aktion gegen die Beschneidung von Mädchen und Frauen).
  • Terre des Femmes e. V. - www.frauenrechte.de, die Website enthält auch eine ausführliche Literaturliste, abrufbar ist
  • UNICEF - www.unicef.de
  • UNICEF / Terre des Femmes "Schnitte in Körper und Seele. Eine Umfrage zur Situation beschnittener Mädchen und Frauen in Deutschland, 2005 (die Studie kann im pdf-Format unter folgender URL herunter geladen werden.
  • TARGET - Gezielte Aktionen für Menschenrechte
  • "Wüstenblume" – ein Film über Genitalverstümmelung

Der Film erzählt die Geschichte des somalischen Nomadenmädchens Waris Dirie, das über Umwege zum internationalen Topmodel wird. Im Jahr 1997, auf dem Gipfel ihrer Karriere, berichtet sie in einem Interview von der brutalen Praxis der weiblichen Genitalbeschneidung, der sie als fünfjähriges Mädchen zum Opfer fiel. Dieses Interview löst eine Welle des Mitgefühls und des Protests aus. Im selben Jahr wird Waris Dirie zur UN-Sonderbotschafterin gegen Beschneidung ernannt. Sie beschließt ihr Leben dem Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung zu widmen. mehr lesen...

END FMG European Campaign works with partner organisations across Europe to ensure that the European Union protects the rights of women and girls who are subjected t or are at risk of female genital mutilation.