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Welche Auswirkung haben Kleinwaffen auf das Leben von Frauen?
"Von einem Tag auf den anderen wurden meine Träume zunichte gemacht - alles wegen der Unverantwortlichkeit von eigentlich zivilisierten Männern, die sich nur mit einer Waffe in der Hand stark fühlen.", so beschreibt Camila Magalhaes Lima aus Brasilien ihre Erfahrungen. Magalhaes Lima ging von der Schule nach Hause, als sie in einen Schusswechsel zwischen einer Gang und einer privaten Sicherheitsfirma geriet. Sie wurde von einer Kugel getroffen und kann seitdem ihre Beine nicht mehr bewegen. Sie ist nur eines von vielen Beispielen, mit denen der neue Bericht "The impact of guns on women's lives" von amnesty international, Oxfam und des Internationalen Aktionsnetzes zu Kleinwaffen IANSA den Zusammenhang von Waffenhandel, Kleinwaffen und daraus resultierender Gewalt gegen Frauen verdeutlicht.
Kleinwaffen und Gewalt gegen Frauen
Barbara Frey, die UN-Sonderberichterstatterin für die Prävention von Menschenrechtsverletzungen durch Kleinwaffen, beschreibt den Zusammenhang von Waffenbesitz und Gewalt gegen Frauen eindeutig: "Während in einer männerdominierten Gesellschaft der Waffenbesitz damit begründet wird, dass Männer die Frauen schützen müssen, werden die Frauen mit größerer Wahrscheinlichkeit Opfer von Gewalt, wenn Waffen in der Familie oder der Gemeinschaft vorhanden sind." Jüngste Studien aus den USA belegen, dass das Risiko für Frauen, durch Waffen getötet zu werden, um das fünffache steigt, wenn Waffen bereits im Haushalt vorhanden sind.
Der Missbrauch von Schusswaffen durch Sicherheitskräfte nimmt in dem Maße zu, wie in dem entsprechenden Land eine Kultur der Straflosigkeit herrscht. Gerade weibliche Familienangehörige von Polizisten und Soldaten, die ihre Waffen nach Hause mitnehmen, sind einem erhöhten Gewaltrisiko ausgesetzt. Doch auch wenn Frauen keine direkten Opfer von Schusswaffengebrauch werden, sind sie indirekt betroffen, wenn sie durch den gewaltsamen Tod der männlichen Familienmitglieder allein für den Unterhalt der Familie sorgen müssen.
Ein Großteil der gegen Frauen gerichteten Gewalt in Kriegszeiten ist ein extremer Ausdruck der Gewalt, die sie in Friedenszeiten erleiden. Immer wieder werden Frauen und Mädchen in bewaffneten Konflikten unter vorgehaltener Waffe vergewaltigt - zum Beispiel in Ruanda, Kroatien und Bosnien. Gerade in Kriegssituationen sind Frauen erhöhter sexualisierter Ge-walt ausgesetzt. Auch nach dem Ende des Krieges verschwinden die brutalen Züge des Krieges nicht spurlos. Zurückkehrende Soldaten, oftmals traumatisiert und zu Brutalität ‚erzogen', tragen die Gewalt direkt in die Familie hinein. Bringen die Soldaten zusätzlich noch ihre Waffen mit, steigt die Gefahr für Frauen. SOS-Belgrad berichtete, dass Männer, die gewaltbereit und traumatisiert aus dem Krieg zurückkehrten, mit den Waffen ihre eigenen Frauen bedrohten und einschüchterten.
Gerade nach dem Ende eines Bürgerkrieges verbleiben viele Waffen in Umlauf und bilden so eine konkrete Gefahr für die Stabilität eines Landes. Adele Kirsten, Gründerin der Organisation "Waffenfreies Südafrika" stellt fest: "Uns wurde bewusst, dass die größte Gefahr für unsere Demokratie die übrig gebliebenen Waffen des Krieges waren, die unser Land über-schwemmt hatten." Aufgrund ihrer Arbeit ist Adele Kirsten und ihre Organisation vielfältigen Drohungen und Beschimpfungen ausgesetzt. "Dies zeigt uns", so Kirsten, "dass wir tief liegende Fragen von sexueller Identität und Geschlechterrollen ansprechen, dem Kern der kolonialen weißen männlichen Identität." Gleichzeitig sind es aber oft auch Frauen, die Männer in ihrem klassischen Rollenverständnis bestärken und den Waffenbesitz und Waffengebrauch als Selbstverständlichkeit hinnehmen. Diesen Zusammenhang greift auch die bra-silianische Organisation Viva Rio auf, indem sie verstärkt Aktivistinnen einsetzt, die der Öffentlichkeit klar machen, dass entgegen aller Rollenklischees Männer durch Waffenbesitz weder männlicher noch attraktiver werden.
Waffenexporte und Kleinwaffen in privater Hand
Der Wert der weltweiten genehmigten Waffenexporte beträgt 21 Milliarden US-Dollar pro Jahr. 639 Millionen Kleinwaffen sind weltweit im Umlauf, die von mehr als 1.200 Firmen in mehr als 90 Ländern hergestellt werden. Jedes Jahr werden weitere 8 Millionen Kleinwaffen und 16 Milliarden Munitionseinheiten produziert - das sind mehr als zwei Geschosse für jeden Mann, jede Frau und jedes Kind auf der Welt. Etwa 60 % der Kleinwaffen befinden sich in den Händen von ZivilistInnen. Es wird geschätzt, dass 80-90 % aller illegalen Kleinwaffen ursprünglich aus dem staatlich sanktionierten Handel stammen.
"Ein verlorenes Gepäckstück kann auf dem Weg von San Francisco nach Sierra Leone innerhalb weniger Stunden gefunden werden. Tödliche Waffen verschwinden jedoch täglich ohne jede Spur", beklagt Jeremy Hobbs, Direktor von Oxfam International. Zwar tragen auch Kleinwaffen Seriennummern. Doch ein weltweites System zur Kontrolle exportierter Kleinwaffen und zur Überprüfung von Seriennummern fehlt völlig. Dadurch werden sie als Instrument der Waffenkontrolle wertlos. Exportstaaten können sich darauf berufen, dass sie nicht wissen, wie die Kleinwaffen in die Hände von Verbrechern gekommen sind. Aufgrund der fehlenden globalen Registrierungen ist es nahezu unmöglich, illegale Exporte oder den Bruch eines UN-Waffenembargos zu ahnden.
Was fordert Amnesty International?
Eine zentrale Forderung von ai an die Staatengemeinschaft ist die Verabschiedung eines Abkommens zur Regulierung des Waffenhandels, um die Weiterverbreitung insbesondere von Kleinwaffen zu stoppen, mit denen Gewalt gegen Frauen ausgeübt wird. Gleichzeitig sollte ein weltweites Waffenhandelsabkommen Exportstaaten verpflichten, keine Waffen in Länder zu liefern, in denen sie mit gewisser Wahrscheinlichkeit für Menschenrechtsverletzungen eingesetzt werden. Auf nationaler Ebene fordert ai alle Staaten auf, den Umlauf von Kleinwaffen zu begrenzen und wirksam zu kontrollieren, und Sicherheitskräfte zur Wahrung der Menschenrechte anzuhalten. Waffen sollten vor dem Zugriff unberechtigter Personen geschützt und überzählige Kleinwaffen zerstört werden.
"Es ist an der Zeit, dass die Staatengemeinschaft diejenigen identifiziert und vor Gericht bringt, die hinter dem zynischen und todbringenden Geschäft stehen.", fordert die Internationale Generalsekretärin von amnesty international Irene Khan.
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