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Welche Auswirkung haben Kleinwaffen auf das Leben von Frauen?

Genaue Zahlen gibt es nicht, doch Schätzungen zufolge sind fast 900 Millionen Kleinwaffen weltweit im Umlauf, für jeden achten Menschen eine. Es finden sich etwa 60 Prozent aller Kleinwaffen in Privatbesitz. Die Folgen dieser massiven Verbreitung leichter Waffen sind verheerend. Nicht nur, dass seit 1979 in den USA mehr Kinder durch Schusswaffen umkamen als US-Soldaten in Vietnam starben. Auch bis zu 90 Prozent aller Kriegsopfer sterben heute durch Kleinwaffen, die überwiegende Mehrheit von ihnen Frauen und Kinder. Berechnungen zufolge töten Handfeuerwaffen jedes Jahr zwischen 200.000 bis 400.000 Menschen, pro Tag sind dies bis zu 1100 Opfer. Immer wieder werden Frauen und Mädchen in bewaffneten Konflikten unter vorgehaltener Waffe vergewaltigt - zum Beispiel in Ruanda, Kroatien und Bosnien. Gerade in Kriegssituationen sind Frauen erhöhter sexualisierter Gewalt ausgesetzt. Auch nach dem Ende des Krieges verschwinden die brutalen Züge des Krieges nicht spurlos. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat Studien vorgelegt, wonach Gewalt in Kriegsgebieten auch nach dem Ende der Kämpfe weit verbreitet ist, unter anderem wegen der gestiegenen gesellschaftlichen Akzeptanz von Gewalt und der weiten Verbreitung von Waffen. Zurückkehrende Soldaten, oftmals traumatisiert und zu Brutalität ‚erzogen', tragen die Gewalt direkt in die Familie hinein. Bringen die Soldaten zusätzlich noch ihre Waffen mit, steigt die Gefahr für Frauen. SOS-Belgrad berichtete, dass Männer, die gewaltbereit und traumatisiert aus dem Krieg zurückkehrten, mit den Waffen ihre eigenen Frauen bedrohten und einschüchterten. Frauen sterben vier Mal mehr gewalttätig, wenn sich eine Waffe in ihrem Haus befindet.

Waffenexporte und Kleinwaffen in privater Hand

Der Wert der weltweiten genehmigten Waffenexporte machte 2012 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr aus (rechnet man die Umsätze aus Herstellung etc. mit ein, steigt die Zahl auf 120 Milliarden US-Dollar). 2005 betrug der Umsatz noch 21 Milliarden US-Dollar.

639 Millionen Kleinwaffen sind weltweit im Umlauf, die von mehr als 1.200 Firmen in mehr als 90 Ländern hergestellt werden. Jedes Jahr werden weitere 8 Millionen Kleinwaffen und 16 Milliarden Munitionseinheiten produziert - das sind mehr als zwei Geschosse für jeden Mann, jede Frau und jedes Kind auf der Welt. Es wird geschätzt, dass 80-90 Prozent aller illegalen Kleinwaffen ursprünglich aus dem staatlich sanktionierten Handel stammen. "Ein verlorenes Gepäckstück kann auf dem Weg von San Francisco nach Sierra Leone innerhalb weniger Stunden gefunden werden. Tödliche Waffen verschwinden jedoch täglich ohne jede Spur", beklagt Jeremy Hobbs, Direktor von Oxfam International. Zwar tragen auch Kleinwaffen Seriennummern, doch ein weltweites System zur Kontrolle exportierter Kleinwaffen und zur Überprüfung von Seriennummern fehlt völlig. Dadurch werden sie als Instrument der Waffenkontrolle wertlos. Exportstaaten können sich darauf berufen, dass sie nicht wissen, wie die Kleinwaffen in die Hände von Verbrechern gekommen sind. Aufgrund der fehlenden globalen Registrierungen ist es nahezu unmöglich, illegale Exporte oder den Bruch eines UN-Waffenembargos zu ahnden. Deswegen haben Amnesty International und andere Organisationen jahrelang für ein Abkommen zur weltweiten Kontrolle des Waffenhandels gekämpft. 2013 ist dieses dann auch endlich verabschiedet worden.

Hände hoch für Waffenkontrolle - Arms Trade Treaty (ATT)

Bisher gab es kaum verbindliche internationale Regeln, die den grenzüberschreitenden Handel mit Schusswaffen, Panzerfahrzeugen oder anderen konventionellen Rüstungsgütern einschränken würden.

Der ATT ist ein multilateraler Vertrag, der den internationalen Handel mit konventionellen Waffen regeln soll. In diesem Vertrag werden gemeinsame internationale Normen für den Import, Export und Transfer von konventionellen Waffen zusammengetragen. Am 2. April 2013 wurde das Abkommen mit 154 zu 3 (die demokratische Volksrepublik Korea, Iran und Syrien) Stimmen bei 23 Enthaltungen verabschiedet, jedoch steht die Ratifizierung noch aus. Damit das Abkommen in Kraft tritt, muss es von 50 Regierungen ratifiziert werden. (Stand Oktober 2013: 7 Ratifizierungen) Zudem stimmte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen am 27.09.2013 über die Resolution ab „Impact of arms transfer on human rights in armed conflict des Human Rights Councils“ A/HRC/24/L.32/Rev.1, (mit 42 Stimmen dafür, eine dagegen (USA) und vier Enthaltungen). Die Resolution drängt Staaten dazu den Transfer von Waffen zu stoppen, wenn ein Risiko besteht, dass diese Werkzeuge benutzt werden, um die Menschenrechte in bewaffneten Konflikten zu beschädigen. Die Resolution verbindet zum ersten Mal den Waffenhandel mit der Verletzung von Menschenrechten, inklusive der Frauenrechte und geschlechterspezifische Gewalt. Diese Resolution geht in Übereinstimmung mit dem gerade verabschiedeten ATT.

Amnesty International wird den Prozess weiterhin begleiten und die Staatengemeinschaft an ihre Zusagen erinnern.

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